„Das Berufsbild eines Lebensmittelchemikers - Wo liegen die Tätigkeitsfelder?“

Greta Dau

Obst ,Gemüse, Wurst und Fleisch, Milch und Käse, Saft und Wein ebenso wie Duschbad, Shampoo, Bodymilk und Nagellack all diese Dinge kennt der Lebensmittelchemiker genau. Lebensmittelchemiker sind überall zu Hause: in Forschung und Entwicklung genauso wie in der Überwachung und dem Verbraucherschutz.

Abbildung 1: Berufsfelder eines Lebensmittelchemikers

Lebensmittelchemiker in verschiedenen Berufsfeldern

Sophie Stechl, Produktmanagerin bei Sachsenmilch

"Die Grundausbildung im Studium stellt die Weichen für die Zukunft. Man muss aber nicht immer fachlich streng bei derselben Richtung bleiben, vielmehr geht es um eine gewisse Fachkompetenz, die einem später Türen öffnet. Danach muss man durch Einsatz, Interesse und Engagement das machen, was einem Spaß macht; nur dann ist man wirklich gut in dem, was man macht.", sagt Sophie Stechl, Produktmanagerin bei der Marke Sachsenmilch, das ein Unternehmen der Unternehmensgruppe Theo Müller ist. Schon während des Studiums der Lebensmittelchemie hat sie sich für Marketing-Vorlesungen interessiert. Zu Beginn ihres beruflichen Werdegangs arbeitete sie als Projektleiterin in der Forschungsabteilung der Unternehmensgruppe Theo Müller. In dieser Zeit war sie für die Produktentwicklung im Bereich Fruchtzubereitungen, für Neuproduktentwicklung sowie für die Überarbeitung bestehender Produkte beispielsweise hinsichtlich Anpassung an Rohstoffschwankungen verantwortlich. Zu Ihren Aufgaben gehörte zudem die Erforschung neuartiger Technologien im Bereich der Fruchtverarbeitung.
Einblicke in das Arbeitsfeld eines Produktmanagers konnte sie durch die enge Zusammenarbeit mit den nationalen und internationalen Marketingabteilungen im Hause Müller erlangen. Später fungierte sie neben ihrer Entwicklertätigkeit als Schnittstelle zwischen der Marketingabteilung, der Marke Sachsenmilch und der Forschungsabteilung, um als erster Ansprechpartner für Anfragen der Marketing- an die Forschungsabteilung zur Verfügung zu stehen. Aus dieser Schnittstelle heraus hat sie sich nun nach drei Jahren Entwicklertätigkeit für die Marketing-Seite, die der Produktmanagerin bei der Marke Sachsenmilch entschieden. So ist sie heute für das komplette Produktsortiment von Butter bis Käse über Getränke und Joghurts dieser Marke verantwortlich und steuert alle Produkt-Projekte, die mit der Erneuerung bzw. Anpassung derer in Zusammenhang stehen.

Susanne R. Lange, Auditorin bei TÜV SÜD AG

Kunden von Lebensmittelherstellern setzen eine gewisse Sicherheit in die hergestellten Produkte voraus, besonders hinsichtlich der Lebensmittelhygiene. Grundlage für die Herstellung sicherer Lebensmittel sind der International Food Standard IFS, BRC Global Standard Food Safety, Q&S aber auch Systemstandards wie ISO 9001 oder ISO 22000 (Managementsysteme für Lebensmittelsicherheit). Die Lebensmittelhersteller dürfen nur dann in den Markt liefern, wenn sie Nachweise erbringen, dass die vom Handel geforderten Standards eingehalten werden. Für die Tätigkeit als Auditor sind die Zulassungskriterien genau definiert. Dazu gehört neben einer fachspezifischen Ausbildung und praktischen Erfahrung in der Lebensmittelindustrie auch eine spezielle Weiterbildung zu Qualitätsmanagement, Lebensmittelrecht und zur Auditdurchführung. Die Zulassungen für die verschiedenen Standards sind zeitlich begrenzt und müssen mit regelmäßigen Prüfungen und fachlicher Weiterbildung aufrecht erhalten werden.
Die Audits finden in der Regel jährlich und angemeldet statt. Dazu bekommt der Betrieb einen Auditplan, in dem der zeitliche Ablauf und die Themen festgelegt sind. Im Audit muss gezeigt werden, nach welcher speziellen Unternehmenspolitik gearbeitet wird und wie die Leitung und das Management die Verantwortung zur Produktsicherheit wahrnehmen. Dazu gehören auch der vollständige Einblick in den Ablauf der Produktion sowie der Kontakt zu den Mitarbeitern. Dies erfordert ein hohes Maß an Konzentration, damit möglichst schnell die noch vorhandenen Schwachstellen erkannt werden. Eine besondere Rolle spielen dabei neue Produkte und technologische Neuerungen in den Betrieben. Wichtig ist der studierten Lebensmittelchemikerin einerseits die Einhaltung der Standards, andererseits aber auch eine Arbeit auf partnerschaftlicher Basis. "Es ist stressig, ständig unterwegs zu sein. Aber es macht sehr viel Spaß und ist unheimlich interessant" ist ihr Resumée.

Alicia Thanh Truc Le-Sattler, Corporate Patent Counsel bei Schwarz Pharm AG, UCB Group

Ein fast unglaublicher Lebenslauf: Die junge Frau, die 1980 als vietnamesischer Flüchtling nach Deutschland kam, erwarb nach dem Studium der Lebensmittelchemie in Münster den Titel "Staatlich geprüfte Lebensmittelchemikerin" und absolvierte kurz darauf noch ein Studium der Rechtswissenschaft für Patentanwälte an der Fernuniversität Hagen. Das Aufgabengebiet eines Patentanwalts ist die Beratung von Unternehmen bei komplizierten, naturwissenschaftlichen und rechtlichen Detailfragen zum Schutz von Innovationen, Marken und Design.
Frau Le- Sattlers Arbeitsleben startete zunächst im öffentlichen Dienst an einer Landesuntersuchungsanstalt. Bald darauf war sie für die Qualitätssicherung bei der Metro MGE Einkauf GmbH zuständig. Als Patentanwältin und nach dem Erlangen weiterer Zusatzqualifikationen ist Frau Le- Sattler nun seit Frühjahr dieses Jahres bei der Schwarz Pharm AG als Corporate Patent Counsel beschäftigt.

Dr. Jürgen Sigler, Abteilungsleiter Oenologie im Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg

Er selber sieht sich als "Frontenwechsler": Nach Studium, Promotion und langjähriger Tätigkeit in der Weinüberwachung einer Chemischen Landesuntersuchungsanstalt sowie einer einjährigen Abordnung an das Referat Lebensmittelwesen des zuständigen Ministeriums ist Dr. Sigler nun seit einigen Jahren Abteilungsleiter der Oenologie im Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg. Das Institut sieht seine Aufgaben v. a. in der Förderung der Weinwirtschaft durch Beratung und Forschung. Somit hat Dr. Sigler den direkten Kontakt zu den Kellereien und Zulieferbetrieben und musste zunächst sein im Studium erlangtes Wissen teilweise wieder ausgraben. Denn neben Routineaufgaben muss er Weinküfern und auch Weinkäufern verständlich erklären können, wodurch welcher Weinfehler hervorgerufen wird - ohne die Leute dabei mit chemischem Fachwissen zu überschütten.
Eine Beschreibung seiner Tätigkeit kann man hier nachlesen.

Das Studium der Lebensmittelchemie

Abbildung 2: Standorte der Lebensmittelchemieausbildung in Deutschland
Das Studium der Lebensmittelchemie wird zurzeit an fast allen Standorten als Diplom- und Staatsexamensstudiengang angeboten. Im Moment gibt es an drei Standorten (Gießen, Münster, Würzburg) die Möglichkeit, mit dem Bachelor bzw. Master abzuschließen. Die Umstellung erfolgt in den nächsten Jahren auch an den anderen Standorten.
Das Studium unterteilt sich in Grund- und Hauptstudium. Im Grundstudium werden naturwissenschaftliche Grundlagen in anorganischer, organischer und physikalischer Chemie, sowie in Mathematik, Physik, Biologie vermittelt. Die in den Vorlesungen erworbenen theoretischen Lerninhalte werden in den nahezu täglich stattfindenden Praktika gefestigt.
Nach erfolgreichem Abschluss der Zwischenprüfungen schließt sich das Hauptstudium der Lebensmittelchemie an. Aufbauend auf das Grundstudium werden hier spezielle Kenntnisse der Chemie der Lebensmittel, Bedarfsgegenstände (Materialien mit Lebensmittel- oder Hautkontakt) sowie Kosmetika vermittelt. Im Mittelpunkt der Ausbildung steht die apparative und nass-chemische Analytik. Die einzelnen Standorte in Deutschland setzen verschiedene Schwerpunkte in der Forschung, die sich in der Ausbildung widerspiegeln. Ein umfangreicher Überblick zu den einzelnen Standorten ist unter dem Link [www.ag-jlc.de] zu finden. Das Studium wird mit schriftlichen Prüfungen und einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit beendet.

Nach dem Studium besteht die Möglichkeit im Rahmen eines praktischen Jahres den Abschluss "Staatlich geprüfter LebensmittelchemikerIn" zu erlangen. Der Schwerpunkt dieser weiterführenden Ausbildung liegt im Bereich des Lebensmittelrechtes.

Schlauer Fuchs

Unser Schlauer Fuchs diese Woche ist Katarina S. aus Herford. Zur Frage:

An welchen Standorten in Deutschland kann man das Studium der Lebensmittelchemie derzeit bereits mit dem Bachelor oder dem Master abschließen?

Schickte sie uns die erste richtige Antwort.

Bitte sehen Sie bis zur Veröffentlichung des nächsten Beitrags mit einer neuen Frage von einer E-Mail-Antwort an schlauerfuchs@gdch.de ab.


Kontakt

Greta Dau
Bergische Universität Wuppertal
FB C Lebensmittelchemie
Gaußstraße 20
Tel.: +49 (0)202 439-3343
Fax: +49(0)202 439-3073
E-Mail: dau@uni-wuppertal.de
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