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„Der Start der Analytischen Chemie ins Jahr 2006“Arbeitsgruppe des Autors

Renate Hoer

Der Jahresbeginn 2006 steht bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ganz im Zeichen der Analytischen Chemie. Bereits vom 8. bis 10. Januar treffen sich Nachwuchswissenschaftler zum 16. Doktoranden-Seminar des Arbeitskreises Separation Sciences der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie im Hessen Hotelpark Hohenroda, am 16. und 17. Januar lädt die GDCh-Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie zur Diskussionstagung "Praktische Probleme der Kernresonanzspektroskopie" an die Universität Erlangen-Nürnberg ein, am 13. und 14. Februar findet das Anwendertreffen "Plasmaspektrometrie" des Deutschen Arbeitskreises für Angewandte Spektroskopie (DASp) der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie an der Universität Hamburg statt und der zur selben Fachgruppe gehörende Arbeitskreis Prozessanalytik tagt vom 20. bis 22. März auf dem Campus Berlin-Adlershof.

Alle vier Veranstaltungen befassen sich mit - nicht nur für die Chemie - wichtigen Themen. Die Trennung von Substanzgemischen ist für die chemische Analyse von Stoffen z.B. aus Umweltproben oder biologischen Materialien von immenser Bedeutung. Bei der Chromatographie erfolgt sie zwischen zwei unterschiedlichen Phasen, einer stationären und einer mobilen aufgrund unterschiedlicher Verweilzeiten in der stationären Phase. Die NMR-Spektroskopie (Nuclear Magnetic Resonance) ist eine ideale Methode zur Strukturaufklärung in der Chemie und zur Erzeugung gestochen scharfer Bilder aus dem Innern des menschlichen Körpers für die Medizin. Man "misst" mit ihr Atomkerne aufgrund ihrer magnetischen Eigenschaften. (Abb. 1) Bei der Plasmaspektrometrie wird die Probensubstanz, z.B. zur Multikomponentenbestimmung im Spurenbereich, in einem sogenannten Plasma verdampft und angeregt bzw. ionisiert. Dabei werden die chemischen Verbindungen bei hoher Temperatur und Aufenthaltsdauer u.U. bis auf die Atome zerlegt. (Ein Plasma ist ein Gas, das durch Zuführung von Energie bei hoher Temperatur teilweise ionisiert wird und Licht emittiert.) Mit prozessanalytischen Methoden wird die Herstellung von Produkten der Chemie-, Pharma- oder Lebensmittelindustrie überwacht.

  
Abbildungen 1: Mit der NMR-Spektroskopie, Mediziner nennen sie Magnetresonanz-Tomographie, erhält man gestochen scharfe Bilder aus dem Körperinneren (a).
Die Methode dient aber auch - mit Hilfe von Spektren (b)
der Aufklärung komplexer Strukturen (c).

Der Arbeitskreis Separation Sciences ist ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern, die an der Chromatographie und verwandten Trenn- und Analysentechniken interessiert sind. Er ging 2001 aus dem Arbeitskreis Chromatographie hervor, da die Tätigkeiten seiner Mitglieder längst über die Chromatographie hinausgewachsen waren. Zunehmende Bedeutung erlangten auch elektrophoretische Trennmethoden sowie verschiedene Kopplungstechniken in der chemischen Analytik und in der Bioanalytik, insbesondere die Massenspektrometrie mit den neuartigen Ionisierungstechniken.

Das 16. Doktoranden-Seminar des Arbeitskreises Separation Sciences bietet Doktoranden deutschsprachiger Arbeitskreise erneut die Gelegenheit, ihre Forschungsergebnisse auf Deutsch oder Englisch zu präsentieren, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig kennenzulernen. Das Seminar dient aber auch dem Dialog von Hochschullehrern und Fach-Kollegen aus der Industrie. Höhepunkt der Veranstaltung ist die Verleihung des Ernst-Bayer-Preises für junge Nachwuchswissenschaftler auf dem Gebiet der Analytischen Trenntechniken. Der mit 1.000 Euro dotierte Preis wird für eine 2004/2005 erschienene herausragende Publikation in einer international angesehenen wissenschaftlichen Zeitschrift vergeben. Neun Bewerbungen sind für diesen Preis eingegangen. Die Entscheidung der Jury fällt bis Ende des Jahres.

Auf der GDCh-NMR-Diskussionstagung "Praktische Probleme der Kernresonanzspektroskopie" werden insgesamt 15 Vorträge gehalten, die anschließend eingehend diskutiert werden. Der Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaftlern und zwischen Herstellern und Anwendern betrifft die rationelle Ausnutzung eines NMR-Gerätes, die Verbesserung des Signal-Rausch-Verhältnisses, die Erfahrung mit automatischen Probenwechslern und die Feldgradientenspektroskopie. Auf dem Programm stehen ferner Themen wie neue Pulssequenzen und ihre praktische Anwendung, Festkörper-NMR, neue Methoden und Beispiele zur Analyse von Molekülstrukturen, qualitative und quantitative Analyse von Stoffgemischen sowie Datenauswertung und -dokumentation und Computerprogramme. Über die Methode der Kernspinresonanz hat die GDCh zu Anfang des Jahres 2005 in ihrem Wissenschaftlichen Pressedienst (www.gdch.de/oearbeit/press/2005) einen allgemeinverständlichen Beitrag von Professor Dr. Walter Bauer veröffentlicht, der die Erlanger Tagung maßgeblich mitorganisiert.

Forscher, Hersteller von Geräten für die Plasmaspektrometrie und Anwender der Plasmaspektrometrie aus verschiedenen Bereichen der Forschungsinstitute und der Industrie treffen sich in Hamburg zum Thema "Atomspektrometrie mit Plasmen (ICP-OES, ICP-MS, Mikrowellenplasmen)". Die Veranstaltung beginnt mit Workshops der verschiedenen Hersteller und am zweiten Tag mit einem Übersichtsvortrag über Atomspektrometrie mit Plasmen und einem Bericht von der "2006 Winter Conference on Plasma Spectrochemistry" in Tuscon, Arizona.

Abbildung 2: Induktiv gekoppeltes Plasma (ICP) für die Atomspektrometrie

Auf dem Forschungscampus Berlin-Adlershof trifft sich der Arbeitskreis Prozessanalytik, um sich über Innovationen aus der Wissenschaft und Hochschule im Bereich Prozessanalytik zu informieren, um neue Anforderungen und Applikationen von Industrieanwendern sowie neue Lösungen und Konzepte von Geräte- und Softwareherstellern kennenzulernen. Ein Schwerpunkt ist hier u.a. die Prozessanalytik bei biotechnologischen Prozessen.

Für die europäischen Analytiker wird die Analytica Conference vom 25. bis 28. April April in München die wichtigste Veranstaltung des Jahres 2006 sein. Sie wird maßgeblich von der GDCh und ihren Fachgruppen (neben der Analytischen Chemie z.B. auch die Lebensmittelchemie und die Wasserchemie) zusammen mit der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie und der Deutschen Vereinigten Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin organisiert und findet im Rahmen der Analytica, der größten europäischen Messe für Analytik und Labortechnik, statt. Einem Teilaspekt der Analytica Conference, nämlich den Chemo- und Biosensoren, ist noch eine weitere Veranstaltung im April gewidmet, die Europt(r)ode VIII vom 2. bis 5. April in Tübingen. Sie wird 2006 vom Vorsitzenden der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie, Professor Dr. Günter Gauglitz, organisiert.

Die Fachgruppe Analytische Chemie veranstaltet darüber hinaus die ANAKON, die größte deutschsprachige Analytiker-Konferenz. Sie findet im Wechsel mit der Analytica Conference alle zwei Jahre statt - im Jahr 2007 vom 27. bis 30. März in Jena.


Kontakt:
  • Dr. Renate Hoer
    Gesellschaft Deutscher Chemiker
    Öffentlichkeitsarbeit
    Varrentrappstr. 40-42
    60486 Frankfurt am Main
    Tel.: +49 (0)69 7917-493
    E-Mail: r.hoer@gdch.de